Bei einer Katze ist der Abschied oft anders als bei einem Hund: Sie war da, ohne viel zu verlangen – und plötzlich bleibt ein Platz kalt.

Anja Sgarbi · Gründerin von Sternentatze
Anja Sgarbi hat Sternentatze zusammen mit Claudio Sgarbi gegründet, nachdem der Familienhund Malu gestorben war. Sie führt die Montessentials GmbH in Steinebrunn und verantwortet die Inhalte auf dieser Seite.
Veröffentlicht am 28. Juli 2026
Sag es klar und in einem Satz: «Mimi ist gestorben. Ihr Herz hat aufgehört zu schlagen, und sie kommt nicht mehr zurück.» Benutzt den Namen der Katze, nicht «die Katze». Setzt euch dazu hin und bleibt danach da – die Reaktion kommt oft nicht sofort, sondern Stunden später, beim Abendessen oder im Bett.
Nein, lasst es suchen. Kinder schauen wochenlang unter dem Bett nach, hinter dem Vorhang, in der Schachtel. Das ist kein Zeichen, dass sie es nicht verstanden haben – das Suchen ist ihre Art, zu begreifen. Jedes Mal, wenn die Katze nicht da ist, wird die Abwesenheit ein Stück wirklicher.
Begleitet es, statt zu korrigieren: «Ja, da hat sie oft gelegen. Jetzt ist sie nicht mehr da.»
Das ist der schwerste Fall, weil die Gewissheit fehlt. Sagt eurem Kind ehrlich, was ihr wisst und was ihr nicht wisst: «Wir wissen nicht, wo Mimi ist. Wir glauben, dass sie gestorben ist.» Vermeidet Versprechen, dass sie wiederkommt. Wenn ihr nach einiger Zeit sicher seid, dürft ihr das auch aussprechen und einen Abschied gestalten – ein Ritual hilft Kindern auch ohne Grab.
Weil euer Kind dann wartet. Gerade bei Katzen liegt diese Umschreibung nahe, weil Katzen tatsächlich manchmal verschwinden – und genau deshalb ist sie hier besonders heikel. «Sie ist weggegangen» heisst für ein kleines Kind: Sie kann auch wieder vor der Tür sitzen. Dasselbe gilt für «eingeschlafen», das Angst vor dem eigenen Bett auslösen kann.
Vor dem Schulalter meist nicht vollständig. Nach der Forschungsübersicht von Speece & Brent (1984) erwerben die meisten Kinder erst zwischen fünf und sieben Jahren das Verständnis, dass der Tod endgültig ist und nicht rückgängig zu machen. Davor begreifen sie ihn als Abwesenheit. Sie fragen deshalb mehrfach dasselbe. Antwortet jedes Mal gleich – die Wiederholung ist kein Rückschritt, sondern der Weg, auf dem ein Kind eine neue Wirklichkeit zusammensetzt.
Diese Frage kommt fast immer, oft mit ein paar Tagen Abstand. Sie ist logisch: Wenn ein Lebewesen sterben kann, dann alle. Antwortet ruhig und ehrlich: «Alle Lebewesen sterben irgendwann. Die meisten Menschen werden sehr alt. Ich bin gesund und habe vor, noch sehr lange bei dir zu sein.» Versprecht nicht, dass ihr nie sterbt – das fällt später auf euch zurück.
Hinter der Frage steckt selten Todesangst, meistens die Sorge, allein zu bleiben. Fragt ruhig zurück, was euer Kind sich vorstellt.
Kinder fragen das direkter, als Erwachsenen lieb ist – und sie halten die Antwort besser aus als das Ausweichen. Sagt schlicht, was geschieht: «Ihr Körper funktioniert nicht mehr. Sie spürt nichts, sie hat keine Schmerzen, ihr ist nicht kalt und nicht traurig.» Und dann konkret, was ihr mit ihr macht: begraben, verbrennen lassen, ein Platz im Garten.
Erst der Körper, dann das, was ihr darüber hinaus glaubt. In der anderen Reihenfolge bleibt für ein kleines Kind ein Ort übrig, an dem man jemanden besuchen könnte.
Erinnern statt ablenken. Bei einer Katze hängt die Trauer meist an Orten: dem Fensterbrett, dem Sofakissen, der Stelle am Fussende des Betts. Geht mit eurem Kind an diese Orte, statt sie zu meiden, und erzählt dort von ihr. Behaltet etwas zum Anfassen – ein Halsband, eine Decke, ein Foto im Kinderzimmer.
Wenn die Trauer nach Wochen unverändert stark bleibt: wenn euer Kind nicht mehr spielt, schlecht schläft, sich zurückzieht oder in der Entwicklung zurückfällt. Auch anhaltende Angst, dass jemand anderes stirbt, ist ein Grund. Sprecht mit eurer Kinderärztin oder wendet euch an eine Trauerbegleitung.
Dieser Text beruht auf eigener Erfahrung und auf dem, was uns beim Abschied von unserem Hund geholfen hat. Er ersetzt keine fachliche Beratung. Wenn ihr Unterstützung braucht, findet ihr sie bei den Stellen weiter unten.
Quellen
Sternentatze macht aus euren Erinnerungen ein persönliches Bilderbuch über euer Tier – mit dem Namen eures Kindes. Die Vorschau ist kostenlos.
rund 63 € · Hardcover + digitale Ausgabe, inkl. Versand
Gedruckt und versendet aus Deutschland – für Bestellungen aus Deutschland und Österreich ohne Zoll und ohne Grenzübertritt. Lieferung auch in die Schweiz und nach Liechtenstein.
Lieber nur digital? CHF 29 (rund 31 €) für die PDF-Ausgabe – sofort nach der Freigabe im Postfach.
Geschwister-Bücher: jedes weitere Kind +CHF 29 (im selben Paket) · +CHF 15 (nur digital)
Abrechnung in Schweizer Franken – im Checkout siehst du den Betrag in deiner Währung.