Soll mein Kind beim Einschläfern dabei sein?
Diese Frage stellt sich oft unter Zeitdruck, an einem Tag, an dem ohnehin alles zu viel ist. Es gibt keine richtige Antwort – nur eine, die zu eurem Kind passt.

Anja Sgarbi · Gründerin von Sternentatze
Anja Sgarbi hat Sternentatze zusammen mit Claudio Sgarbi gegründet, nachdem der Familienhund Malu gestorben war. Sie führt die Montessentials GmbH in Steinebrunn und verantwortet die Inhalte auf dieser Seite.
Veröffentlicht am 26. Juli 2026
Gibt es eine richtige Antwort?
Nein. Ob ein Kind beim Einschläfern dabei sein sollte, hängt vom Alter ab, vom Kind selbst und davon, wie ihr euch dabei fühlt. Beides ist vertretbar. Entscheidend ist weniger, ob euer Kind dabei war, sondern ob es hinterher weiss, was passiert ist, und ob es Fragen stellen darf.
Wenn ihr selbst unsicher seid oder befürchtet, in dem Moment nicht für euer Kind da sein zu können, ist das ein guter Grund, es nicht mitzunehmen. Ein überfordertes Elternteil ist für ein Kind schwerer auszuhalten als die Abwesenheit vom Zimmer.
Was spricht dafür, das Kind mitzunehmen?
Kinder, die dabei waren, müssen sich nichts vorstellen. Sie haben gesehen, dass das Tier ruhig eingeschlafen ist und keine Schmerzen hatte – und dass es danach nicht mehr aufgewacht ist. Das kann Fantasien vorbeugen, die oft schlimmer sind als die Wirklichkeit. Ab etwa sechs Jahren und wenn das Kind es selbst möchte, ist das eine gute Option.
Was spricht dagegen?
Sehr kleine Kinder verstehen die Situation nicht und nehmen vor allem die Anspannung der Eltern wahr. Auch die Praxis selbst ist ein fremder Ort mit fremden Menschen. Wenn euer Kind unter vier ist, sehr sensibel reagiert oder selbst nicht mitkommen will, ist das ein klares Nein – und es braucht keine Begründung.
Wie beziehe ich mein Kind ein, wenn es nicht dabei ist?
Über das Vorher und das Nachher. Verabschiedet euch zu Hause gemeinsam, in Ruhe: streicheln, etwas sagen, ein Foto machen. Erklärt vorher, was passieren wird und dass das Tier danach nicht mehr zurückkommt. Und erzählt hinterher ehrlich, wie es war – auch dass ihr geweint habt.
Viele Familien nehmen eine Haarlocke oder machen einen Pfotenabdruck. Ein Gegenstand zum Anfassen hilft kleinen Kindern mehr als jede Erklärung.
Was sage ich meinem Kind über das Einschläfern selbst?
Sagt es klar, aber ohne das Wort «einschlafen» allein stehen zu lassen: «Die Tierärztin hat Malu eine Spritze gegeben, damit sie keine Schmerzen mehr hat. Davon ist sie gestorben.» So versteht euer Kind, dass es eine Entscheidung war und keine Krankheit, die jeden treffen kann – und es verknüpft den Tod nicht mit dem eigenen Zubettgehen.
Soll mein Kind das tote Tier noch einmal sehen?
Wenn es das möchte: ja. Ein totes Tier zu sehen und anzufassen hilft kleinen Kindern zu begreifen, was «gestorben» heisst – mehr als jede Erklärung. Bereitet es kurz vor: «Sie liegt ganz still. Sie ist kalt und sie bewegt sich nicht mehr. Du darfst sie streicheln, wenn du magst.» Und zwingt nichts. Ein Kind, das nicht will, hat einen guten Grund.
Manche Kinder wollen dableiben, andere nur kurz hineinschauen, wieder andere lieber etwas ins Körbchen legen. Alle drei sind ein vollwertiger Abschied.
Mein Kind macht uns Vorwürfe. Was jetzt?
Das kommt vor, meist bei älteren Kindern, und es ist Teil der Trauer. Wut braucht ein Ziel, und Eltern sind das nächstliegende. Nehmt den Vorwurf ernst, ohne euch zu rechtfertigen: «Ich verstehe, dass du wütend bist. Ich bin auch traurig.» Erklärt ruhig, warum ihr euch so entschieden habt. Wiederholt es, so oft es nötig ist.
Dieser Text beruht auf eigener Erfahrung und auf dem, was uns beim Abschied von unserem Hund geholfen hat. Er ersetzt keine fachliche Beratung. Wenn ihr Unterstützung braucht, findet ihr sie bei den Stellen weiter unten.
Quellen
- Helping Children Understand Pet Loss: Do’s and Don’ts – School of Veterinary Medicine, University of California Davis
- Euthanasia – Guidance for Pet Owners – American Veterinary Medical Association
- Mit Kindern über den Tod sprechen – Stiftung Pro Juventute, Zürich
Wenn ihr nicht weiterwisst
- Schweiz familientrauerbegleitung.ch – Verein mit ausgebildeten Trauerbegleiter:innen in allen Regionen. Vermittelt Fachpersonen, besucht Familien zu Hause und führt Kindertrauergruppen – für Kinder kostenlos.
- Schweiz trauernhilft.ch – Plattform, die Angebote für trauernde Kinder und Jugendliche sichtbar macht, Schwerpunkt Nordwestschweiz.
- Deutschland Bundesverband Trauerbegleitung e.V. – Fachverband für Trauerbegleitung in Deutschland. Über die Seite findet ihr qualifizierte Trauerbegleiter:innen in eurer Nähe, auch mit Schwerpunkt Kindertrauer.
- Österreich RAINBOWS Österreich – Begleitet seit 1991 Kinder und Jugendliche nach dem Tod eines nahestehenden Menschen – in Gruppen, einzeln oder als Familie, in allen Bundesländern.
- Eure Kinderärztin oder euer Kinderarzt – Die erste Anlaufstelle, wenn ihr unsicher seid, ob die Trauer eures Kindes noch im normalen Rahmen liegt. Sie kennen euer Kind und können weiterverweisen.
Ein Buch, das die Erinnerung festhält
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